Montag, September 04, 2006

Allein unter Schweden

Treffpunkt: 2.9.2006, 11.30 Uhr Slussen, Busstation. 2 tapfere deutsche Einzelkämpfer finden sich ca. 5 min vorher dort ein und halten vergeblich Ausschau nach weiteren Artgenossen. Eine Rotte von schwedischen Physik-Nullern hat sich dort bereits eingefunden, wird aber auch erst nach einigen Telefonaten und etwa eine halbe Stunde später vollzählig sein. Wir erfahren, dass von unserem Bestimmungsort, Osqvik, nur 2 Busse wieder zurückfahren sollen, um 0.00 Uhr und um 2.00 Uhr. Noch können wir bestenfalls ahnen, was uns erwartet. - Abgesehen davon, dass wir schon vorher wussten, dass dort irgendwas mit Sauna und Ostsee stattfinden soll. Also wurde vorsichtshalber mal Badehose und Handtuch mit eingepackt.

Gegen 12 Uhr geht es dann auch endlich los, doch nach wenigen Kilometern hält der Bus dann auch schon wieder an, um besondere Fahrgäste einzuladen. Der geneigte Leser mag sich nun denken können, wer das ist... Wie ich dann auch im Laufe des Tages noch erfahren werde, werden diese drei "Föhseriet" genannt. Nicht zu verwechseln mit den Leuten im orangen Overall und Oberteil in Türkis, genannt "Fadderiet", welche auch dafür gesorgt haben, dass alle Angemeldeten tatsächlich am Treffpunkt erschienen sind.

Jedenfalls schmeißt Föhseriet Fadderiet aus dem Bus heraus und ordert während der restlichen Fahrt an, Lieder zu singen. Die meisten haben auch das entsprechende Buch dabei, aber wir besitzen nichtmal eins und spicken dezent auf das unserer Vorderleute, um zu simulieren, dass wir Melodie kennen und Text verstünden...



In Osqvik angekommen werden erstmal alle mit Würstchen und Getränken versorgt. Und ohne viel Zeit zum Verschnaufen fordert uns die Föhseriet auf, sich im Wettrinken und Bananenwettessen zu messen. Natürlich alles auf freiwilliger Basis. Und das Wettrinken natürlich nur mit Leichtöl, denn das Stärkere ist schließlich zum Genießen da. Man beachte die ausgefeilte Trinktechnik: Es geht nur darum, möglichst keine Flüssigkeit im Glas zu lassen, Schaum dagegen ist erlaubt und das wird dann auch ausgenutzt und die Flaschen werden während des Trinkens geschüttelt. Man kann sich denken, zu welchen Sauereien das führen mag. Das Bananenwettessen ist weniger spektakulär, aber dennoch nicht minder komisch anzusehen.

Irgendwann kommt einmal der Zeitpunkt, zu dem sich keine Freiwilligen mehr finden lassen und dann muss es weiter im Programm gehen. Es treten wieder die drei von oben auf, wir verstehen nur irgendwas von "Camouflage" und nehmen Notiz von einer Tüte mit Stoffresten, mit denen sich die Nuller schmücken. Auf Nachfragen erfahren wir, dass die einzelnen Mentorgruppen auf den Weg in den Wald geschickt werden und wir sollen doch am besten mal fragen, wem wir uns denn anschließen sollen.
Gesagt, getan. Wir wurden im Vorfeld keiner zugeteilt, also müssen wir uns selber eine aussuchen. Anscheinend sind die ersten beiden schon weg, wir stellen uns mal ganz blöd zur dritten und organisieren uns ein Paar Stoffreste. Prompt werden wir auch von der Gruppe gefragt, zu welcher wir denn gehören bzw dann ob wir mit ihnen kommen wollen. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und man nimmt uns auf.

Die ganze Aktion resultiert schließlich in einer Art Stationenspiel, in welchem Kreativität, Geschicklichkeit und ein wenig Wissen verlangt wird. Man bekommt an jeder Punkte in mehr oder weniger versteckter Form (mittels Gaußintegral, Gamma-Funktion, etc) aber letztendlich interessiert sich keiner mehr dafür. Kurz vor der vorletzten Station schlagen wir den falschen Weg ein und uns bietet sich eine großartige Aussicht:



Dennoch schaffen wir es irgendwie wieder zurück auf den Weg und kommen zu einem der Höhepunkte - wenn nicht sogar DEM Höhepunkt - des Tages. Ich zweifele, ob ich das wirklich durchziehen soll, aber naja Badehose anziehen und erstmal ab in die Sauna, das geht ja noch. Dort erwartet uns eine singende Menge, ein Student mit Ukulele singt lauthals "Whiskey in the jar" und alle gröhlen den Refrain mit. Laminierte Liedzettel liegen aus, der Raum wird mit heißen Kohlen geheizt. Wer die Tür nach draußen zu lange offen stehen lässt oder in selbiger stehen bleibt, wird erstmal blöd angeschnauzt. Nach einigen Liedern fäng es dann an in den Armen leicht zu kribbeln und es wird sowieso immer wärmer. Das ist nun der Zeitpunkt, wo man sich abkühlen sollte. Raus aus der Sauna, links um die Ecke, 10 Schritte gradeaus, dann runter auf eine Art schwimmenden Steg, Füße ins Wasser. Man denkt sich "Ist ja schon irgendwie ziemlich kalt, aber was solls..." Platsch und rein ins eiskalte Wasser. Ein Paar Meter hin und herschwimmen, dann wieder raus und zurück in die Sauna zum aufwärmen, weitersingen usw. Das ganze zweimal, das reicht dann aber auch.

Wer mich kennt, wird es wahrscheinlich nicht glauben und Beweisfotos gibt es auch keine. So bleibt es jedem selbst überlassen für wie authentisch er diesen Bericht hält...

Nach dem Badespaß hält die Föhseriet nochmal eine kurze Rede in welcher sie vermerkt, dass sie ihre Nuller genug getestet und für würdig befinden an der KTH zu studieren. Eine Dreiviertelstunde später gibt es dann im Haus Abendessen und dieses wieder mit "gyckel", Gesangseinlagen von den Mentorgruppen, Tanzen auf Stühlen... Man kennt es ja inzwischen und man kommt kaum zum essen. Nach jeder Einlage werden die Sänger geehrt und müssen antworten "Vi säger inte nej det till" - "Nein, wir sagen dazu nicht nein", nämlich zu den Ehren und den guten Wünschen. Am Ende der Mahlzeit wird dann auch noch allen möglichen gedankt, Küche, Organisation, etc. Plötzlich ist Stille und zwar gerade an der Stelle, wo der Antwortgesang kommen sollte...

...Etwas verwundert nehmen wir zur Kenntnis, wie die uns umgebenden Schweden auffordern aufzustehen und zu antworten. Bis wir das dann realisieren, wird die Liedzeile nochmal neu gesungen und diesmal antworten wir auch stolz "Nej, vi säger inte nej det till".

Dann wird das letzte Lied angestimmt und man erklärt uns, dass jetzt die Föhseriet ins Wasser geworfen wird. Etwas ungläubig und verwirrt mache ich mich auf den Weg hinunter zum Steg. Gerade noch rechtzeitig schaffe ich es den letzten zu fotografieren, der zurück aus dem Wasser kommt.

Indes bereiten sich oben vor der Hütte einige Leute auf einen weiteren besonderen Auftritt vor, auf ein Spiel mit dem Feuer. Keulen, Ketten und Stäbe werden durch die Luft geworfen, herausragend ist meiner Ansicht aber nach der Feuerspeier. Dazu spielt man Rammstein, was der ein oder andere Schwede sogar Leidenschaftlich mitsingt (...ob die wohl wissen, was sie da singen?). Naja, hoffentlich ist ihnen bewusst, dass es in Deutschland auch noch andere Bands gibt. Interessant ist übrigens auch was dabei rauskommt, wenn man sowas über längere Zeit belichten lässt:



Nun werden wir alle wieder ins Haus geschickt, wo in der Zwischenzeit fleißige Helfer den Saal wieder auf Vordermann gebracht haben. Wir setzen uns auf den Boden und harren wieder der Dinge die da kommen. Ok, wieder mal etwas, wo wir uns ziemlich verloren bei vorkommen. Die Moderatoren wählen leute aus, die irgendwelche schauspielerisch-kreativen Aufgaben erfüllen müssen. Beispielsweise dürfen sie nur unverständliches Zeug von sich geben, und ein weiterer muss das "übersetzen" oder in einem Wortwechsel müssen die Wörter mit einem bestimmten Buchstaben anfangen, usw. Wir verstehen mal wieder kaum etwas, aber aufgrund der allgemeinen Erheiterung vermuten wir, dass es wohl ganz lustig ist.

Im Anschluss findet der Tag dann seinen Ausklang indem die Theaterbühne zur Tanzfläche mutiert. Bei entsprechender Musik wird dann wieder getanzt, gesungen und gefeiert. Dafür hat man sich sogar wieder abgetrocknet und umgezogen, aber hauptsache die Sonnenbrille sitzt...



Dabei lernt man dann auch noch interessante Leute kennen, wie einen halb Schweden - halb Österreicher, der sich freut mal wieder deutsch sprechen zu können. Seiner Meinung nach sogar Hochdeutsch, von der er sich auch nicht abbringen ließ. Dass aber ein Elternteil aus Österreich kommen musste, war unüberhörbar :)

So vergeht die Zeit dann wie im Fluge und um 24.00 Uhr nehmen wir wieder den Bus in Richtung Stockholm.

Und diejenigen, die das Geschreibsel jetzt tapfer gelesen haben, belohne ich mit einem der dämlichsten Fotos, die man (ungestellt!) von jemandem machen kann:

Sonntag, September 03, 2006

Geburtstagsfeier der besonderen Art

Donnerstag abend fand eine Geburtstagsfeier der etwas anderen Art statt. Geladen wurde zum Grillen, jeder sollte aber sein eigenes Fleisch und Getränke mitbringen. Das war dann auch der erste wirkliche Grund für mich mal einen Systembolaget zwecks späteren Bierkonsum von innen zu besichtigen. Und die Auswahl an solchen Getränken ist schon beachtlich. Das meiste zwar aus Skandinavien, aber auch einiges aus Deutschland. Ich habe mich dann mal für eine Flasche Bamberger Rauchbier entschieden, durchaus empfehlenswert. Beim Geschmack denkt man zwar automatisch an geräuchertes Fleisch, was dem Bier aber absolut keinen Abbruch tut. War jedenfalls meine Meinung, die der anderen wich da allerdings meistens stark von ab...

Später am Abend wurde es dann doch merklich kalt und vor allem dunkel, so dass wir beschlossen die Feuerstelle auch einmal als solche zu nutzen. Das ist uns sogar nach einigen Mühen und mehreren erschöpften Lungen doch noch gelungen. Wäre das Holz mal nicht ganz so nass gewesen.

Und auch hier waren wir (Deutschen) bis auf wenige Ausnahmen unter uns, aber es sollte auch noch ganz anders kommen, wie wir dann ein Paar Tage später erfahren durften...